Dauerregen: Wie die Hochwasserlage in Bayern aussieht

Mancherorts fielen binnen zwei Tagen knapp 200 Liter Wasser pro Quadratmeter. Vor allem an der Donau macht sich das jetzt bemerkbar. Ein Überblick über die Lage im Freistaat.

Von Kassian Stroh

Ein paar rote Punkte, die Gefahr verheißen, aber nur ein halbes Dutzend in Bayern – ein Blick auf die Karten des staatlichen Hochwassernachrichtendienstes (HND) am Mittwochmorgen führt schnell vor Augen, wie die Lage ist: verhältnismäßig ruhig. Zwar hat es in Bayern weiter geregnet, zwar sind an vielen Flüssen die Pegel weiter gestiegen, an manchen kritischen Stellen sinken sie aber auch schon wieder.

Die roten Punkte stehen dafür, dass an den jewieligen Flüssen einzelne bebaute Grundstücke oder Keller überflutet werden können. Aber selbst dort, wo noch welche in die Karten eingetragen sind, ist die Lage nicht dramatisch. „Das ist alles beherrschbar, was da kommt“, sagt ein Sprecher des HND am Mittwochmorgen. Insbesondere an der Donau müsse man sehen, wie sich die Lage entwickele – „aber das ist ja keine unbekannte Situation“. Ein Überblick über die aktuelle Lage in Bayern:

Wo gibt es Hochwasser in Bayern?

Donau: Der HND hat ein vierstufiges Warnsystem. Stufe 3, das ist die zweithöchste, haben am Mittwoch mehrere Messstellen entlang der Donau überschritten: Neu-Ulm, Neuburg und seit dem Morgen auch Kelheim. Die Behörden bereiten sich darauf vor, beim Kloster Weltenburg sollten mobile Hochwasserschutzwände aufzubauen. „Ansonsten ist der Abfluss aber nicht so dramatisch, dass es zu nennenswerten Schäden kommen dürfte“, sagt Constantin Sadgorski, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Landshut und an der Donau zuständig für den Landkreis Kelheim. In der Donau kommt nun das Wasser zusammen, das seit Montag die Zuflüsse aus den Alpen hatte anschwellen lassen – infolge von extrem starken Regenfällen und Schmelzwasser aus den Bergen.

Isar: An der oberen Isar und auch an ihrem Zufluss Loisach sinken die Pegel seit der Nacht schon wieder. Ebenso in der Landeshauptstadt München, wo der Pegel in der Nacht seinen Höchststand erreichte. Der Scheitel der Flutwelle wandert nun flussabwärts. Aber selbst in Landshut – der einzigen Messstelle an der Isar, die die Warnstufe 3 erreicht hatte – geht das Wasser schon wieder zurück.

Schwaben: Auch im Einzugsgebiet von Iller und Lech entspannt sich die Lage. Insbesondere auf Kempten hatten die Fachleute am Dienstag ein Auge geworfen, weil die Iller dort rapide mehr Wasser führte. Ihr Pegel sinkt derzeit ebenfalls.

Welche Bahnstrecken sind gesperrt?

Gegen halb neun Uhr hat die Bahn am Mittwoch die Strecke zwischen Augsburg und Nürnberg gesperrt. Vom Süden her enden die Züge nun in Donauwörth, vom Norden her in Otting-Weilheim, etwa 20 Kilometer nördlich von Donauwörth. Man versuche, einen Ersatzverkehr zu organisieren, teilte die Bahn mit; wie lange die Strecke nicht befahrbar seien, sei noch unklar. Ebenso wie die genaue Ursache: Die Bahn sprach lediglich von einer „witterungsbedingten Störung“.

Zwischen Immenstadt und Kempten fahren Ersatzbusse. Weil auf der Strecke nun eine Hochwasserschutzwand steht, ist sie laut Bahn vermutlich noch den ganzen Mittwoch über gesperrt. Dasselbe gilt für die Strecke zwischen Immenstadt und Oberstdorf. Beide Strecken sind seit Dienstagfrüh nicht mehr befahrbar.

Vermutlich noch bis Mittwochnachmittag fahren keine Züge zwischen Murnau und Garmisch-Partenkirchen. Auch hier sollen Taxen und Ersatzbusse die Passagiere befördern.

Eine „witterungsbedingte Störung“ meldet die Bahn auch auf der Trasse Augsburg-Ulm, und zwar zwischen Dinkelscherben und Freihalden. Hier müsse man mit Verzögerungen rechnen.

Weil ein Baum ins Gleis gefallen war, waren bis Dienstagabend auch die Gleise zwischen Markt Schwaben und Erding gesperrt, wo die Münchner S-Bahn-Linie S2 fährt. Hier kommt es am Mittwoch aber zu keinen Problemen mehr.

Unwetterwarnung des Wetterdiensts

Am Dienstag hatte der Deutsche Wetterdienst für das Voralpengebiet eine Unwetterwarnung „vor extrem ergiebigem Dauerregen“ herausgegeben – vom Allgäu bis zum Berchtesgadener Land. Diese ist inzwischen aufgehoben. Nur im äußersten Südosten Bayerns, in Teilen der Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land, gilt sie noch bis Mittwochmittag.

Generell hat der Regen in der Nacht nachgelassen, es wird laut Wetterdienst aber weiter Schauer geben. Seit dem Wochenende waren die Regenfälle im Oberland teils extrem. Mancherorts fielen binnen zwei Tagen knapp 200 Liter Wasser pro Quadratmeter. Also doppelt so viel, wie in München in einem durchschnittlichen Mai vom Himmel kommt – und zwar im ganzen Monat.

Wetter Wie sich Bayern gegen das Hochwasser wehrt

Dauerregen

Wie sich Bayern gegen das Hochwasser wehrt

Seit dem Pfingsthochwasser 1999 hat die Staatsregierung Milliarden investiert. Der Erfolg zeigt sich auch in diesen Tagen – trotzdem ist Hochwasserschutz bei der Bevölkerung unbeliebt.   Von Matthias Köpf und Christian Sebald


Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*