Lufthansa reißt andere Airline-Aktien mit

Aktien von Air France und der British-Airways-Mutter IAG verloren im Laufe des Vormittags jeweils bis zu vier Prozent. Die Billigflieger Ryanair, easyJet und Wizz Air büßten bis zu fünf Prozent ein. Die Lufthansa erwartet, wie am Sonntag bekanntgegeben wurde, für 2019 nur noch einen bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) zwischen 2,0 und 2,4 Milliarden Euro, bisher waren es 2,4 bis 3,0 Milliarden Euro. Noch im Mai hatte die Lufthansa ihre Gewinnprognose trotz des schwierigen Umfelds bekräftigt.

Der harte Wettbewerb in Europa macht aber auch den anderen Airlines zu schaffen. Die Laudamotion-Mutter Ryanair berichtete im Geschäftsjahr 2018/19, das bis März ging, einen Gewinnrückgang von 39 Prozent auf 885 Mio. Euro. Allein für Lauda fielen Anlaufverluste von 139,5 Mio. Euro an.

„Aggressiv in den Markt drängende Wettbewerber“

Der Reisekonzern Thomas Cook sucht derzeit nach Käufern für seine Fluglinien, zu denen auch Condor gehört. Die Lufthansa-Billigtochter Eurowings wird laut der aktuellen Prognose gar in die roten Zahlen rutschen. Das Management kündigte deshalb weitere Sparmaßnahmen an.

Die AUA-Mutter Lufthansa nannte als Grund für die zurückgenommene Prognose vor allem den Preisverfall im Europaverkehr, ausgelöst durch „marktweite Überkapazitäten und aggressiv wachsende Billigkonkurrenten“. Die „aggressiv in den Markt drängenden Wettbewerber“ seien zu „erheblichen Verlusten“ bereit, um ihre Marktanteile auszubauen, erklärte die Lufthansa. Die Airline gehe davon aus, dass der europäische Markt „mindestens bis Ende 2019 so herausfordernd“ bleibe.

Wizz spricht von „Blutbad“ in Wien

Einer der am heißesten umkämpften Orte ist derzeit der Flughafen Wien-Schwechat. Seit der Pleite von Niki 2017 versuchen gleich mehrere Billigfluglinien, den Heimatflughafen der AUA zu erobern. „Spaß hat derzeit keiner hier in Wien“, sagte AUA-Sprecher Peter Thier am Montag zur APA. Der Chef der ungarischen Billigairline Wizz Air, Jozsef Varadi, nannte die Entwicklung in Wien kürzlich ein „Blutbad“, meinte aber, trotz der Konkurrenz bereits ein Jahr nach dem Start profitabel zu sein.

Die Lufthansa sprach in ihrer Mitteilung am Sonntagabend ebenfalls explizit von Österreich. Die Erträge im Europaverkehr, insbesondere auf den Heimmärkten Deutschland und Österreich, seien durch anhaltende Überkapazitäten auf den Kurzstrecken unter Druck.

AUA in tiefroten Zahlen

„Wien ist ein schwieriger Markt und bleibt auch schwierig aufgrund des starken Wettbewerbs der Billigflieger“, so der AUA-Sprecher. „Der Flughafen Wien ist um 25 Prozent gewachsen, auch wir wachsen aufgrund der guten Nachfrage, aber diese 25 Prozent sind sicherlich nicht nachhaltig und spiegeln eher den starken Andrang der Billigflieger wider. Auf das Ergebnis, und dabei bleiben wir, wird es sich negativ auswirken.“

Die AUA hatte schon im ersten Quartal tiefrote Zahlen geschrieben. Der operative Verlust betrug 99 Mio. Euro, das ist ein um 26 Mio. Euro höherer Verlust als im Winterquartal 2018. In den vergangenen fünf Jahren gab es für die AUA keinen schlechteren Jahresauftakt. Den Gewinn des Vorjahres von 83 Mio. Euro wird die AUA heuer nicht mehr erreichen. Das Ziel für heuer lautet, in den schwarzen Zahlen zu bleiben.

Kampfpreise als Taktik griffen noch nicht

Momentan steckt in Wien keiner der Konkurrenten zurück. Die AUA versucht mit Kampfpreisen die Konkurrenz aus Wien zu vertreiben – vorerst ohne Erfolg. „Rückzugstendenzen sehen wir noch keine, eher das Gegenteil, aber was man auch sieht, ist, dass angekündigtes Wachstum von manchen Fluglinien verschoben wird von Wien in andere Hubs“, sagte AUA-Sprecher Thier.

Dem AUA-Personal steht wegen des Drucks auf die Profitabilität auch ein neues Sparprogramm ins Haus. „Wir wollen 30 Millionen Euro pro Jahr nachhaltig einsparen, durch Personal- und Sachkostenmaßnahmen“, sagte Vorstandschef Alexis von Hoensbroech vor gut einer Woche im „Kurier“. Details lies er offen: „Erst im Herbst werden wir mehr wissen. Wie viele und welche Mitarbeiter, inwieweit wir mit der Fluktuation auskommen und ob es einen Abbau geben wird.“

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