Hamburg: Die Luft ist raus

  • In der Nähe des Hamburger Flughafens sind mehr als 200 geparkte Fahrzeuge beschädigt worden.
  • Bis auf zwei Autos mit einem Hamburger Nummernschild haben alle malträtierten Autos ein ausländisches oder auswärtiges Kennzeichen.
  • Womöglich richtet sich der Vandalismus dezidiert gegen Urlaubsparker.
Von Friederike Zoe Grasshoff

B ist einfach, B steht für Berlin. Dass sich hinter einem BIT auf dem Nummernschild aber Bitburg-Prüm verbirgt, dass GUN das bayerische Weißenburg-Gunzenhausen meint, da bedarf es schon des Wissens eines fortgeschrittenen Kennzeichen-Profis oder einer Internetverbindung, die auf der Autobahn funktioniert. Nummernschilder sind fast solch eine Konstante des Verkehrs wie der Machtkampf zwischen Rad- und Autofahrer. Was sie aber vor allem sind: ein für jeden sichtbarer sowie interpretierbarer Ausweis von Herkunft oder Wohnort, von Zugehörigkeit. Dem Kennzeichen BM (Bergheim) wird in Köln gern ein aufgekratzter Fahrstil unterstellt. An wem ein K (Köln) vorbeizieht, wird sicher auch irgendein Vorurteil parat haben.

In Hamburg wurden nun mehr als 200 Fahrzeuge beschädigt, alle standen sie rund um den Flughafen – und bei fast allen dürfte das Kennzeichen eine Rolle gespielt haben; Reifen wurden zerstochen, der Lack großzügig zerkratzt, fast immer das gleiche Muster. Die ersten Beschädigungen waren am Montagmorgen von einem Spaziergänger im Stadtteil Langenhorn gemeldet worden, mittlerweile zählt man 219 beschädigte Autos. Im Stadtteil Groß Borstel, in Poppenbüttel, und auch in Winterhude, was laut Polizeisprecher Ulf Wundrack „kein klassisches Gebiet“ für sogenannte Urlaubsparker ist. Gemeint sind damit Menschen, die – ganz legal übrigens – qua Urlaub für längere Zeit in Anwohnergebieten ihr Auto abstellen, um sich die Parkgebühren am Flughafen zu sparen und dann mit dem Bus oder zu Fuß zu selbigem zu gelangen.

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„Ich habe so etwas in dieser Dimension ehrlich gesagt noch nicht erlebt“, sagt Wundrack auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung. Bis auf zwei Autos mit einem Hamburger Nummernschild hätten alle malträtierten Autos ein ausländisches oder auswärtiges Kennzeichen; sie kommen aus den umliegenden Landkreisen, aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Dänemark. Daher ermittelt nun die Kripo; man prüfe, ob sich dieser Vandalismus dezidiert gegen Urlaubsparker richtet und von einer Gruppe ausging.

„Mallorca-Parker“ wollen sparen

Nun ist der Frust der HH-Anwohner kein neuer. Seit Jahren ist sind sie verärgert über Flugreisende, die mit ihren Autos den eigenen Lebensradius zuparken, weil sie sparen wollen. Mindestens 110 Euro pro Woche kostet es, wenn man spontan und ohne Online-Reservierung zum Hamburger Flughafen fährt und sich für eine Woche auf einen Parkplatz stellt, der nah am Terminal gelegen ist. Als Reaktion auf den Ärger wiesen die Behörden in Hamburg Anwohnerparkplätze aus, im Juni waren Bereiche in Fuhlsbüttel hinzu gekommen.

Auch in anderen Regionen des Landes will der eine umsonst parken und der andere nicht in seinem Raum eingeschränkt werden, mittlerweile haben sich Vokabeln wie „Mallorca-Parker“ rund um diesen Interessenskonflikt herausgebildet. Auch das Wort „Parkdruck“ ist oft zu lesen, neulich wieder im Nürnberger Stadtanzeiger, um den Konflikt in der sogenannten Fliegersiedlung zu skizzieren, auch hier sind laut besagtem Bericht Autos zerkratzt, Scheiben beschmiert, Nägel verstreut worden.

Und auf der Internetseite www.geizkragen.com wurde der Stadtteil Plieningen so oft als Option genannt, um Parkgebühren am Stuttgarter Flughafen zu sparen, dass sich ein User 2016 genötigt sah, in ebenjenem Forum darüber zu berichten, dass er eine Woche dort geparkt habe. „Als ich zurückkam, war ein Reifen platt gestochen und der Kotflügel zerkratzt.“ Das nächste mal stelle er sich lieber auf einen bewachten Parkplatz, „und zahle ein paar Flocken.“

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