True-Wireless-Test: Cambridge Audio Melomania 1

Highend Audio in winzig? Cambridge Audio will bei seinen kabellosen In-Ear-Kopfhörern mit fettem Sound, hoher Qualität und langer Ausdauer punkten. Der Test klärt, ob das gelingt.

Seit mehr als 50 Jahren stellt Cambridge Audio Technik für Hifi-Enthusiasten her. Nun wandert die jahrelange Expertise in kleinstmögliche Hardware: Mit den Melomania 1 bedienen die Briten den wachsenden Markt an True-Wireless-Kopfhörern. Die In-Ears zählen zu den kleinsten der bisher getesteten Kopfhörern. Dennoch bieten sie genügend Platz für optische Akzente. Das Design der Stecker ähnelt – zumindest ein wenig – den Earbuds von Nokia (Testbericht). Allerdings wirken die Melomania hochwertiger. Die Komposition der Material und die schnörkellose Form verleiht den Kopfhörern ein zeitloses Design.

Der Test der Melomania 1 ist Teil unserer Themenwelt rund um True-Wireless-Kopfhörer. Bisher sind folgende Test erschienen:

Gerade einmal 4,6 g bringt ein Stecker auf die Waage. Am Hinterteil nimmt die Multifunktionstaste die gesamte Fläche ein. Eine kleine Einbuchtung hilft den Fingerspitzen dabei, nicht zu verrutschen. Um die Taste herum signalisieren verschiedene Lichtmodi dezent verschiedene Aktionen. Pulsiert es zum Beispiel weiß, werden die Stecker in der Ladebox mit Strom versorgt. Blinkt es außerhalb der Box dagegen blau und weiß, wird nach einer Bluetooth-Verbindung gesucht.

Die 37 g leichte Ladebox erinnert im Design ein wenig an das Case der Apple Airpods (Testbericht). Fünf LEDs auf der Vorderseite zeigen den aktuellen Ladestand an, jeweils eine steht dabei für 20 Prozent Energiereserve. Die Stecker haben in der Box keinen vorgegebenen Platz, sie können jeweils links wie rechts eingesetzt werden – wo sie dank der magnetischen Arretierung festen Halt finden.

Die Melomania 1 gibt es in den Farben weiß und schwarz. Zum Lieferumfang zählen neben den Ohrhörern und vier Paar Aufsätzen das Lade-Etui und ein Micro-USB-Ladekabel.

Die Melomania 1 müssen bei erstmaliger Nutzung per Bluetooth mit einem Zuspieler gekoppelt werden. Dafür werden die Stecker aus der Ladebox genommen, wodurch automatisch der Pairing-Modus aktiviert wird. Kurios: Im Test mit einem iPhone erscheinen in den Bluetooth-Einstellungen beide In-Ears separat, von denen nur einer ausgewählt werden muss. Der andere bleibt auch nach dem erfolgreichen Paaren in der Liste als „nicht verbunden“. Soll ein weiterer Zuspieler genutzt werden, muss die Taste eines Steckers fürs Koppeln für mindestens zwei Sekunden gedrückt werden.

Die Kopfhörer mit ihrem Case.

Das Einsetzen ist so simpel, wie einen Finger ins Ohr zu stecken. Ein kurzes Drehen am Korpus bringt den Melomania in die richtige Position. Leider ragen die Kopfhörer ein wenig aus dem Ohr heraus, was zum Beispiel unter einem Motorradhelm störend sein kann. Damit jede Ohrgröße bedient wird, gibt es verschiedene Aufsätze. Einmal im Ohr, sitzen die Winzlinge fest, selbst schnelle Kopfbewegungen ändern daran nichts. Mehr noch: Sogar beim Sport entpuppen sie sich als gute Begleiter, zumal sie dank IPX5-Zertifizierung vor Schweiß Spritzwasser geschützt sind. Dennoch sind sie nicht ganz so bequem zu tragen, wie zum Beispiel die Airpods von Apple, die einfach ins Ohr gehängt werden.

Die Bedienung der Kopfhörer erfolgt mittels der großen Tasten auf der jeweiligen Rückseite. Einmal drücken, egal auf welcher Seite pausiert oder startet die Musik. Zum nächsten Titel springt man durch zweimaliges Drücken auf der rechten Seiten, zurück geht es, nachdem die linke Seite zweimal gedrückt wurde. Auch die Lautstärke wird über die Taste reguliert: Drückt man die linke Seite länger als zwei Sekunden, wird es kontinuierlich lauter, mit der linken Seite wird es leiser. Und geht ein Anruf ein, wird dieser durch einfachen Druck auf einer der beiden Seiten angenommen. Auch die Sprachassistenten Siri und Google Assistant werden per Tastendruck aufgerufen. Cambridge Audio hat aus der Not, nur zwei Tasten zur Verfügung zu haben, eine Tugend gemacht: Die Auswahl der Funktionen ist ausreichend, die Bedienung dennoch simpel. Zur Not liegt der Verpackung noch eine kleine Karte für die Brieftasche bei, auf der alle Möglichkeiten noch einmal aufgeführt sind.

Im Test lief die Musik ab und zu weiter, wenn einer der Stecker aus dem Ohr genommen und in die Ladebox gesteckt wurde. Ein akustisches Signal zeigt an, dass dieser dann aufgeladen wird. Sobald der Stecker wieder ins Ohr gesteckt wird, läuft die Musik wieder ohne Unterbrechung auf beiden Seiten weiter. In den meisten Fällen stoppte die Musik allerdings komplett – und musste durch einen Druck auf einen Ohrhörer fortgesetzt werden. Hier hätten wir uns eine einheitliche Praxis gewünscht – und keine Zufallsfunktion. Auch unschön: Nimmt man die In-Ears aus dem Ohr und legt sie auf den Tisch, wird die Musik nicht automatisch gestoppt. Wie auch bei den Push von Skullcandy (Testbericht) bleiben die Kopfhörer mit dem Smartphone verbunden, bis sie in der Box stecken oder manuell deaktiviert werden. So werden Anrufe automatisch erst einmal zu den Melomania gelenkt. Sensoren, die erkennen, ob sich die Stecker im Ohr befinden und entsprechend Funktionen aktivieren oder deaktivieren, fehlen ganz offensichtlich – oder funktionieren nicht richtig. Aber trotz dieser Petitesse ist die Bedienung der Kopfhörer insgesamt gut gelöst.

Im Melomania 1 sind MEMS-Mikrofone und die Clear Voice Capture Noise-Cancelling-Technologie von Qualcomm verbaut. Außerdem unterstützen die kleinen Stecker die Audio-Codecs AAC und aptX. Das Ergebnis: Warm, weich und schön – so jedenfalls lässt sich der Sound in aller Kürze beschreiben. Aber wir wollen gerne ein wenig ins Detail gehen. Der Bass ist deutlich hörbar, ohne zu dominieren. Es ist nicht dieser Club-Bass, der den Herzrhythmus durcheinanderbringt, sondern der einschmeichelnde Bass in einem Jazz-Konzert. Akzentuiert, unterstützend, aber nicht auftrumpfend und übertönend. Die Höhen sind klar und fein, ohne klinisch zu wirken. Die Mitten binden den Sound zusammen und verleihen ihm eine Präsenz, als wäre man live dabei.

Die Melomania 1 sind angenehm klein.

Unluck von James Black beginnt mit knarzenden Geräuschen und ein paar Synthie-Klängen. Unvermittelt setzt die Stimme des Sängers ein und schlängelt sich tief in den Gehörgang. So nah, so intensiv und so direkt, wie es bei nur wenigen Kopfhörer in dieser Preisklasse klingt. Auch bei Bored and Razed von The Raconteurs zählen die Details: Zu Beginn ertönt zart eine Akustik-Klampfe, das Ausschwingen der Saiten ist deutlich zu hören. Doch das Lagerfeuer-Gefühl wird durch schnell von schroffen Riffs zerschlagen, Drums und schreiende Gitarren setzen ein, die unverkennbare Stimme von Jack White garniert den Sound-Gulasch mit einer unvergleichlichen Würze. Andere Kopfhörer hätten daraus eine Kakophonie gebastelt, mit den Melomania entsteht ein musikalisches Mosaik, wo jeder Baustein deutlich erkennbar bleibt uns sich dennoch perfekt ins Gesamtbild einfügt.

Aber auch Club-Sound geht gut ab: Cassius lässt es auf Vedra ordentlich – aber gefällig –dröhnen. Stereo-Effekte wie ein um den Kopf wanderndes Hey sind unaufdringlich dargestellt. Trotz steigender Dynamik bleiben die scheppernden und klirrenden Percussions im Hintergrund lokalisierbar. Das gleiche gilt für Talk von Two Doors Cinema Down. Der sehr poppige 80iger-Jahre Sound wächst aus einem fetten Drum-Loop heraus. Der Gesang steht im Vordergrund und wird perfekt von den Instrumenten umrahmt und nicht übertönt.

Auch wenn es klassisch und ruhig wird, zeigen die In-Ears keine Schwäche: Maxim Vengerov hat sich auf dem Album Gateways die fünf Elemente von Qigang Chen vorgenommen. Ganz will es nicht gelingen, eine Opernhaus-Atmosphäre zu schaffen. Doch das entpuppt sich bei dieser musikalischen Entdeckungsreise sogar als Vorteil. Das Vibraphone klingt mittig zentral, die Bläser und Streicher wandern in beide Ohren: Jedes Instrument kommt voll zu Geltung und findet viel Raum zur Entfaltung. Mit den Melomania 1 gibt es ganz offenbar keine billigen Plätze.

Und telefonieren? Nun ja, es funktioniert. Der Gesprächspartner hört sich gut an, die Qualität der Mikrofone bei Sprachaufzeichnungen ist allerdings eher durchschnittlich – trotz des Herausfilterns von Nebengeräuschen. Entsprechend wird die eigene Stimme nur mittelmäßig ans andere Ende übertragen. Das stört im Alltag zwar nicht, ist aber im Verglich mit den musikalischen Fähigkeiten der In-Ears ein deutlicher Leistungsabfall.

Was Cambridge Audio beim Akku geleistet hat, ist ein kleines Wunder. Kein anderer True Wireless Kopfhörer im Test hält länger durch. Bei mittlerer Lautstärke sorgt der Akku für rund neun Stunden Unterhaltung. Die der Akku der Ladebox reicht für weitere 36 Stunden. Insgesamt ist also eine Laufzeit von bis zu 45 Stunden möglich, bevor die Box aufgeladen werden muss.

Die Melomania 1 haben eine erfreulich lange Akkulaufzeit, das Gehäuse lädt sie bis zu dreimal auf.

Der UVP liegt bei 130 Euro. Damit zählen die Melomania 1 zu den günstigeren True Wireless Kopfhörern. Dennoch brauchen sie sich klanglich kaum hinter den gut doppelt so teuren Modellen Momentum von Sennheiser (Testbericht) oder MW07 von Master & Dynamic (Testbericht) zu verstecken.

Cambridge Audio Melomania 1 schwarz

Cambridge Audio Melomania 1, schwarz

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Cambridge Audio Melomania 1, weiß

Was für ein Debut: Cambridge Audio ist mit den Melomania 1 ein hervorragender Einstieg in die True-Wireless-Welt geglückt. Der Sound ist rund und ausgewogen, die Bedienung einfach und der Tragekomfort gut. Das edle Design ist geglückt, die Funktionen sind gut auf die beiden Tasten verteilt. Eine App fürs Finetuning gibt es nicht, vermisst wird diese aber auch nicht. Vor allem die mit bis zu 45 Stunden extrem lange Akkulaufzeit hat uns begeistert.

Ein tolles Gesamtpaket zu einem attraktiven Preis: Qualitativ vergleichbare Produkte kosten bei anderen Herstellern gerne das doppelte. Wer sich von True-Wireless-Kopfhörern kleine, klangstarke und bezahlbare Begleiter mit langer Laufzeit verspricht, braucht nicht länger zu suchen: Zu diesem Preis wird man kaum einen besseren kabellosen In-Ear-Kopfhörer finden.

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