Überraschung im Weißen Haus – Hardliner ist raus: Trump entlässt seinen Sicherheitsberater Bolton

Auch Bolton twitterte kurz und stellte die Geschehnisse anders dar: Er habe seinen Rücktritt gestern Abend angeboten und Trump sagte „Lass uns morgen darüber reden“. Möglicherweise will Bolton damit zeigen, dass er nicht von Trump zum Rücktritt gedrängt wurde, sondern die Trennung selbst initiiert hat.

Bolton mitverantwortlich für aggressive Iran-Politik der USA

Bolton galt unter den Beratern Trumps als außenpolitischer Hardliner, der auch für die aggressive Politik gegenüber dem Iran mitverantwortlich ist. Kurz vor dem Trump-Tweet am Mittag hatte das Weiße Haus noch mitgeteilt, Bolton werde in seiner Funktion als Nationaler Sicherheitsberater gemeinsam mit Außenminister Mike Pompeo und Finanzminister Steven Mnuchin vor die Presse treten.

Inzwischen hat US-Präsident Trump Charles Kupperman zum kommissarischen Nationalen Sicherheitsberater ernannt. Ein Regierungssprecher bestätigte am Dienstag nach der überraschenden Entlassung Boltons Journalisten in Washington, dass Kupperman die Geschäfte vorübergehend übernehmen werde. Seit Anfang des Jahres war Kupperman Boltons Stellvertreter im Weißen Haus.

„Wenn es nach ihm ginge, würden wir jetzt in vier Kriegen stecken“

Die Meinungsverschiedenheiten mit Bolton hatten sich offenbar mit der Zeit gehäuft. Vom Iran über Nordkorea bis Afghanistan vertrat der als besonders aggressiver Falke bekannte Bolton deutlich härtere Positionen als der Präsident. Schon im Mai hatte Trump durchblicken lassen, dass der Sicherheitsberater selbst für ihn zu raubeinig daher kam: „Tatsächlich wirke ich mäßigend auf ihn ein“, sagte der Präsident damals.

Ein hochrangiger Regierungsmitarbeiter sagte der „New York Times“, Trump habe hinter verschlossenen Türen gar über Bolton gescherzt: „Wenn es nach ihm ginge, würden wir jetzt in vier Kriegen stecken“. Wie bei vielen Witzeleien des Präsidenten steckte wohl auch in dieser eine gehörige Portion Ernst.

Bolton war bereits der dritte Nationale Sicherheitsberater unter Trump. Gerade mal anderthalb Jahre war der 70-Jährige mit dem buschigen Schnäuzer im Amt. Der unmittelbare Auslöser für seinen Rauswurf könnte Zwist über die US-Gespräche mit den radikalislamischen Taliban gewesen sein.

Bolton wollte nicht raus aus Afghanistan

Laut US-Medien hatte Bolton gegen die Verhandlungen opponiert, die Trump einen Truppenabzug aus Afghanistan ermöglichen sollten. Auch das ursprünglich mit Taliban-Vertretern für das vergangene Wochenende geplante Treffen in Camp David, dem Landsitz der US-Präsidenten, soll der Sicherheitsberater zu verhindern versucht haben. 

Trump sagte das Treffen dann zwar tatsächlich ab und strich zumindest für die nächste Zeit alle weiteren Gespräche mit den Taliban – aber wohl nicht wegen Bolton. Als Begründung nannte der Präsident vielmehr einen Taliban-Anschlag in Kabul, bei dem auch ein US-Soldat getötet wurde. Dass die internen Zwistigkeiten im Trump-Team rund um das anvisierte Camp-David-Treffen publik wurden, stieß Trump offenbar schwer auf.

Doch Afghanistan war beileibe nicht das einzige Konfliktthema zwischen dem Präsidenten und seinem Sicherheitsberater. So passte Bolton Trumps Schmusekurs gegenüber Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un nicht – Trumps Treffen mit Kim im Juni in der entmilitarisierten Zone zwischen den koreanischen Staaten hielt er offenbar für völlig unangebracht. Bolton blieb dieser Reise jedenfalls fern.

Iran wurde zum Streitthema zwischen den beiden

Auch der Iran wurde offenkundig zunehmend zu einem Streitthema zwischen Trump und Bolton: Laut „New York Times“ war der Berater nicht einverstanden, als Trump im Juni einen geplanten US-Vergeltungsangriff auf den Iran nach dem Abschuss einer US-Drohne kurzfristig absagte. 

Trump musste allerdings wissen, wen er sich ins Boot holte, als er Bolton im März 2018 ernannte. Denn über Jahrzehnte hatte sich Bolton als Vertreter einer konfrontativen Außenpolitik hervorgetan. Als Außen-Staatsekretär und UN-Botschafter unter Präsident George W. Bush propagierte er eifrig die US-Militärinvasion im Irak. Und einige Jahre vor seinem Eintritt in Trumps Regierungsteam warb Bolton öffentlich für Luftangriffe auf iranische Atomanlagen. 

Unbequemer Zeitgenosse für Trump

Trump gefiel Boltons knallharte Rhetorik als Moderator bei Fox News. Doch dass seine Zusammenarbeit mit Bolton nicht einfach sein würde, schien vorhersehbar. Denn Trump liebt zwar auch die martialischen Botschaften – ein Freund von Militärinterventionen ist er aber nicht. Sein erklärtes Ziel ist es vielmehr, die internationalen US-Militäreinsätze zurückzufahren und nicht noch auszuweiten. Und die Sanktionen gegen den Iran hat Trump immer wieder auch mit Signalen der Gesprächsbereitschaft an Teheran verknüpft

Bolton erwies sich im Übrigen bis zuletzt als unbequemer Zeitgenosse für Trump. Der vom Präsidenten verbreiteten Version seine Abgangs widersprach Bolton entschieden: Kein wirklicher Rausschmiss soll es gewesen sein. „Ich hatte meinen Rücktritt angeboten“, zeigte sich Bolton auch zum Abschied widerborstig. 

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