Nach Rücktrittserklärung: Boliviens Präsident Morales wettert gegen „Putsch“

Nach wochenlangen Protesten wird Evo Morales sein Amt zur Verfügung stellen. Doch leise geht Boliviens Präsident nicht. Nach der Ankündigung seines Rücktritts spricht Morales nun von einem Putsch gegen ihn. Der seit 14 Jahren regierende Links-Politker sagte in einer TV-Ansprache am Sonntag, dass er sein Rücktrittsschreiben einreichen würde, um zur Wiederherstellung der Stabilität beizutragen und richtete sich an seine Gegner, die in seinen Worten einen „Bürgerputsch“ angezettelt hätten.

Mit Verweis auf die anhaltenden politischen Spannungen erklärte Morales später auf Twitter, dass die Polizei einen „illegalen“ Haftbefehl gegen ihn habe und dass „gewalttätige Gruppen“ sein Haus angegriffen hätten. Der Chef der bolivianischen Polizei äußerte dagegen in einem Fernsehinterview, es gebe keinen Haftbefehl gegen Morales.

Einige von Morales‘ Verbündeten in Lateinamerika bezeichneten die Wende der Ereignisse ebenfalls als „Putsch“, darunter der venezolanische Präsident Nicolas Maduro und der designierte argentinische Präsident Alberto Fernandez. Der mexikanische Außenminister Marcelo Ebrard sagte, sein Land werde Morales Asyl anbieten, wenn er es suche.

Morales war zuletzt immer stärker unter Druck geraten. Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) hatte am Sonntag Neuwahlen in Bolivien empfohlen, weil sie bei der Präsidenten-Wahl am 20. Oktober nach eigenen Angaben ernste Unregelmäßigkeiten festgestellt hatte.

Es habe schwerwiegende Manipulierungen der Computersysteme gegeben. Daher müsse die Wahl annulliert werden und es Neuwahlen geben, hatte die OAS erklärt. Morales hatte daraufhin am Sonntag zunächst erklärt, Neuwahlen anzusetzen und die Wahlkommission auszutauschen. Doch seinen Kritikern reichten auch diese Schritte nicht aus.

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