Ghosn klagt Renault auf zweistellige Millionensumme

Der frühere Renault-Chef Carlos Ghosn will den französischen Autokonzern auf eine Summe in zweistelliger Millionenhöhe klagen und stößt damit in Frankreich auf Empörung. Unter anderem will Ghosn Renault nach seiner Flucht aus Japan zur Herausgabe von Aktien im Wert von gut 15 Millionen Euro zwingen sowie zu einer jährlichen Pensionszahlung von fast 800.000 Euro.

Von einem „unanständigen“ Manöver Ghosns sprach heute der Chef der Gewerkschaft CGT, Philippe Martinez. „Carlos Ghosn hat zehntausende Arbeitsplätze in der Renault-Gruppe gestrichen“, sagte er dem Sender LCI. „Nun will selbst er vor Gericht ziehen wie ein gefeuerter Renault-Angestellter.“ Ein Abgeordneter der französischen Linkspartei La France Insoumise nannte Ghosns Vorgehen „skandalös“.

Ghosn hatte zuvor aus dem libanesischen Exil bekanntgegeben, dass er gegen Renault vor das Pariser Handels- und Arbeitsgericht ziehen will. Der Autokonzern habe die vertraglich vereinbarten Zahlungen an ihn vor einem Jahr mit der Begründung gestrichen, er sei zurückgetreten, sagte Ghosn dem französischen Sender France 5. „Ich bin überhaupt nicht zurückgetreten: ich habe mich von meinem Posten zurückgezogen, weil ich im Gefängnis saß“, sagte Ghosn.

Renault dementiert Nissan-Gerüchte

Unterdessen dementiert der französische Autokonzern Renault einem Medienbericht zufolge Gerüchte über eine Auflösung der Kooperation mit Nissan. Die Allianz zwischen Renault und seinem japanischen Partner Nissan Motor sei „solide, robust, alles andere als tot“, sagte der Vorsitzende von Renault, Jean-Philippe Senard, der belgischen Zeitung „L’Echo“ (Dienstag-Ausgabe).

Ein Zeitungsbericht über ein mögliches Ende der Zusammenarbeit mit dem japanischen Autohersteller belastete gestern die Aktien von Renault. Sie gaben zum Wochenauftakt vier Prozent nach auf ein Sechsjahrestief von 40,16 Euro.

Die „Financial Times“ hatte berichtet, Nissan treibe geheime Pläne für eine Auflösung der Allianz voran. Dabei gehe es unter anderem darum, die Kooperation bei Entwicklung und Fertigung zu beenden, auch werde über Änderungen im Nissan-Aufsichtsrat nachgedacht. Nissan habe diese Planung seit der Flucht von Ex-Chef Ghosn aus Japan Ende Dezember beschleunigt, hieß es weiter.

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