Bundesliga: Werder sendet ein Lebenszeichen

VfL Wolfsburg – Borussia Dortmund 0:2 (0:1); Tore: 0:1 Guerreiro (32.), 0:2 Hakimi (78.)

BVB-Trainer Lucien Favre schickte die gleiche Elf auf den Rasen, die schon Schalke 04 hergespielt hatte – und was soll man sagen – sie spielte zunächst auch den VfL Wolfsburg her. Das Team von Oliver Glasner steht für gewöhnlich robust, mit 31 Gegentoren vor dem Spieltag haben sie den Zahlen nach auch eine bessere Abwehr als der BVB. Aber Favres Labor-Fußball funktioniert unter Laborbedingungen offenbar noch besser, wieder wanderte der Ball in hoher Geschwindigkeit zwischen den Gelben hin und her, der schon gegen Schalke starke Julian Brandt stach erneut heraus und wieder traf Raphael Guerreiro (32.), diesmal nach einem Querpass von Thorgan Hazard. Wolfsburg stand zwar ansonsten in der Defensive nicht schlecht – offensiv war aber ein schwacher Kopfball von Wout Weghorst nach 45 Minuten die einzige Wolfsburger Gelegenheit.

In der Halbzeit musste dann Mats Hummels in der Kabine bleiben, nach ersten Meldungen mit einer leichten Fußverletzung, er sollte gegen den FC Bayern wieder fit sein. Emre Can ersetzte ihn, aber das Hummels-Fehlen machte dem BVB zu schaffen. Sofort hatte der VfL die beste Chance der Partie. Weghorst setzte sich gegen mehrere Dortmunder durch, steckte zu Renato Steffen durch, der das Tor von Roman Bürki aber aus guter Position verfehlte. Daniel Ginczek hatte kurz darauf die nächste Chance, Maximilian Arnold trat einen Freistoß in die Mauer – Wolfsburg wurde aktiver. Bis zur 70 Minuten spielte nur noch der VfL, Dortmund kam gar nicht mehr zum Torabschluss.

Aber je näher das Ende rückte, desto mehr ging Wolfsburg ins Risiko und desto mehr Platz für Konter hatte der BVB. In der 78. Minute kombinierte sich Dortmund schulbuchmäßig aus der eigenen Hälfte, über den eingewechselten Jadon Sancho landete der Ball bei Achraf Hakimi, der perfekt abschloss. Dass Felix Klaus nach Intervention des Videoschiedsrichters nach einem Tritt auf die Wade von Manuel Akanji noch Rot sah, machte den Tag für Wolfsburg zum gebrauchten Tag, obwohl sie eigentlich kein schlechtes Spiel ablieferten. Aber Dortmund ist derzeit einfach klar besser als jede “normale” Bundesligamannschaft.

SC Freiburg – Werder Bremen 0:1 (0:1); 0:1 Bittencourt (19.)

Für ein paar Sekunden sah es so aus, als wären alle Mächte dieser Fußball-Welt weiter gegen Werder Bremen. Eine Minute blieb noch bis Schlusspfiff, Freiburg hatte natürlich eine Standardsituation und natürlich landete der Ball danach im Werder-Tor. Es wäre das 1:1 gewesen – doch zum grün-weißen Glück zog im Kölner Keller jemand eine Linie, und der sah, dass Nils Petersen im Abseits stand. Ausgleich annulliert, kein Standard-Gegentor, sechs Minuten Nachspielzeit durchgezittert, eine Pavlenka-Parade gegen Petersen, drei Punkte, Hoffnung statt Verzweiflung an der Weser.

Unter der Woche sagte Florian Kohfeldt ja noch, er sei “nach wie vor der Beste auf dieser Position” (er meinte den Posten des Werder-Trainers) und das sorgte für eine gewisse Aufregung, weil es ein bisschen großspurig daherkam. Kohfeldt ist ja zum einen Norddeutscher, die dem Großspurigen eher skeptisch gegenüberstehen und außerdem trauriger Vorletzter. Er versuchte, die Aussage vor dem Spiel im Freiburger Regen wieder einzufangen. Er habe lediglich ausdrücken wollen, dass er immer noch an sich glaube. Aber sei’s drum, grau ist alle Großspurigkeit, Werder brauchte die Punkte.

Das Spiel begann direkt mit einer gelungenen Werder-Aktion: Marco Friedl wühlte sich aus der eigenen Abwehr, der Ball landete bei Davy Klaassen und der Niederländer schlug eine wunderschöne Flanke über den halben Platz auf Leonardo Bittencourt, der an Freiburgs Torhüter Alexander Schwolow vorbei einschoss (19.). Sportdirektor Baumann sagte vor der Partie, Werder sei im “Kampfmodus” und das Team tat dann das, was in dieser Saison nur selten gelungen ist: eine Führung verteidigen. Jiri Pavlenka entschärfte die Freiburger Versuche – seine größte Tat vollbrachte er in der 62. Minute, als er einen verdeckten Schuss von Nicolas Höfler abwehrte. Bremen rückt in der Tabelle vorerst bis auf zwei Punkte an Düsseldorf und damit an den Relegationsplatz heran.

Borussia Mönchengladbach – Bayer Leverkusen 1:3 (0:1); Tore: 0:1 Havertz (7.), 1:1 Thuram (52.), 1:2 Havertz (58./Elfmeter), S. Bender (81.)

Nach dem überzeugenden Auftritt von Gladbach in Frankfurt sprach Marcus Thuram sogar von der Meisterschaft und Trainer Marco Rose befand dazu: “Ich finde es cool, dass meine Jungs so selbstbewusst auftreten.” Doch gegen Leverkusen traten die Gladbacher zunächst nicht selbstbewusst, sondern fahrig auf. In der 7. Minute sahen sie tatenlos zu, wie Karim Bellarabi den Ball in den Lauf von Kai Havertz schickte, der lässig zur Führung traf. Leverkusen hätte durchaus höher führen können, kurz vor der Pause vergab Kerem Demirbay jedoch eine Riesenchance.

In der Halbzeit erinnerte sich Thuram dann offenbar an sein Gerede von der Meisterschaft: Eine feine Flanke von Alassane Plea nahm er in der 52. Minute direkt an und bugsierte den Ball gekonnt ins Tor. Doch nur wenige Minuten später geriet Gladbach erneut in Rückstand: Nico Elvedi rauschte im Strafraum in Bellarabi hinein, der Schiedsrichter Sören Storks sah sich die Szene noch einmal genau an, blieb aber bei seiner Entscheidung: Straftoß – auch wenn Bellarabi schon abgeschlossen hatte. Havertz trat an, Yann Sommer ahnte die Ecke, war aber ein paar Zentimeter zu klein, um den Ball halten zu können. Kurz vor Schluss köpfelte Bender noch nach einem Standard zum 3:1 ins Tor. Mit dem Sieg zog Leverkusen in der Tabelle an Gladbach vorbei. Ob nun Leverkusen von der ersten Meisterschaft zu träumen beginnt?

SC Paderborn – TSG Hoffenheim 1:1 (1:1); Tore: 0:1 Skov (4.), 1:1 Srbeny (9.)

“Paderborn spielt aus meiner Sicht eine gute Saison, es erspielt sich in jeder Partie eine Menge Torchancen und will immer gewinnen”, lobte TSG-Trainer Alfred Schreuder vor der Partie, als spreche er über einen Klub auf den Champions-League-Plätzen. Der SC ist allerdings Tabellenletzter. Und so verhielt er sich auch zu Beginn der Partie: Jamilu Collins und seine Kollegen in der Abwehr schlichen über den Platz, während der ungedeckte Robert Skov den Ball erhielt und zur Führung traf. Doch fünf Minuten später zeigte Paderborn, dass Schreuder vielleicht doch nicht übertrieb: Hoffenheims Pavel Kaderabek vertändelte einen Pass, Dennis Srbeny nutzte das ungewollte Zuspiel und schlenzte den Ball ins Tor.

Spielerisch war Paderborn zunächst deutlich unterlegen, doch das Team gab mal wieder nicht auf. In der zweiten Hälfte steigerte sich die Mannschaft, wurde immer mutiger. Gereicht für einen Sieg hat es trotzdem mal wieder nicht.

Zuschauer des Spieltags: Nur 300 Personen sind während der Corona-Pandemie in den Stadien zugelassen. In Gladbach allerdings saßen 13 000 eng gedrängt auf der Tribüne: manche mit Bier in der Hand, manche mit Sonnenbrille oder Schnauzer, manche in Jubelpose. Doch es handelte sich nicht um echte Fans, sondern um Pappfiguren, bedruckt mit Porträt-Fotos von Anhängern der Borussia, Spielern und Klub-Mitarbeitern. Bis zum nächsten Heimspiel sollen noch einmal 7000 Pappkameraden dazukommen. Sieht freundlich aus, Stimmung aber machen auch sie keine.

Abschied des Tages: Vor dem Spiel in Wolfsburg verkündete BVB-Sportdirektor Michael Zorc, dass Mario Götze den Klub im Sommer verlassen wird. Der Vertrag des 27-Jährigen läuft aus – mit einer Verlängerung rechnete sowieso kaum noch jemand. Obwohl er weitgehend verletzungsfrei blieb, kam Götze in der aktuellen Bundesliga-Saison nur ein einziges Mal über 90 Minuten für Dortmund zum Einsatz.

Jubel-Problem: Bruno Labbadia, dessen Berliner Mannschaft vergangene Woche zu innig gefeiert hatte, sagte, er finde immer noch, dass man beim Jubeln nicht zu päpstlich sein sollte. Anders sahen das Christian Seifert (DFL-Chef) und Markus Söder (Bayern-Chef) und die haben in der Thematik ein bisschen mehr zu sagen. Die DFL schickte auch prompt noch mal einen Mahn-Brief an die Klubs. Hertha hielt sich am Freitag zumindest ein bisschen besser an die Vorgaben. Matheus Cunha schaukelte mit den Teamkameraden ein imaginäres Baby, Vedad Ibisevic verteilte eine freundliche Kopfnuss – aber alle anderen Bundesliga-Teams hielten sich an die Vorgaben. Sogar Bremen, die ja normalerweise wenig zu jubeln haben.

Zitat des Tages: “Es ist besser vor Puppen zu spielen als gar nicht.” (Leverkusens Trainer Peter Bosz zu den Pappaufstellern im Gladbacher Stadion)

Rekord des Tages: Klaus Gjasula vom SC Paderborn ist nicht nur der erste Bundesliga-Profi mit einem Helm, er ist auch der erste Kicker, der für 14 gelbe Karten nur 27 Bundesliga-Spiele brauchte. Den Saisonrekord hält Tomasz Hajto der im Trikot des MSV Duisburg 1998/99 16 Mal verwarnt wurde.

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*