Coronavirus weltweit: Italien öffnet Grenzen für Touristen

Italiens Grenzen sind vom morgigen Mittwoch an wieder für Urlauber offen. Nach circa drei Monaten mit strengen Corona-Beschränkungen gilt die Reisefreiheit für Menschen aus den anderen 26 EU-Ländern sowie weiteren Staaten wie Großbritannien, Norwegen und der Schweiz. Eine Virus-Quarantäne von zwei Wochen entfällt. Vorher durften Ausländer nur mit triftigem Grund, wie etwa Arbeit, einreisen.

Außerdem dürfen die Italiener selbst wieder unbeschränkt zwischen den 20 Regionen hin- und herfahren. Das Verlassen der eigenen Region war bisher noch stark eingeschränkt.

Italien war von der Corona-Pandemie in Europa früh und besonders hart getroffen worden, weswegen dort seit März strenge Ausgangs- und Reisebeschränkungen verhängt wurden. Die Ansteckungszahlen sind stark gesunken – sie lagen zuletzt teils unter den Werten in Deutschland.

Massentest in Wuhan ergibt 300 Infizierte ohne Symptome

Bei Tests von fast zehn Millionen Bürgern in Wuhan sind 300 asymptomatische Infektionen mit dem Coronavirus entdeckt worden. Die angesteckten Personen und 1174 enge Kontaktpersonen seien isoliert worden und stünden unter medizinischer Beobachtung, berichteten die Behörden nach Angaben der Staatsmedien am Dienstag.

Den Anteil der Infizierten ohne Symptome an der Bevölkerung beschrieben die Experten als “äußerst gering”. Auch seien keine Ansteckungen durch diese Personen festgestellt worden. Die Tests waren seit Mitte Mai über zwei Wochen vorgenommen worden.

In der zentralchinesischen Metropole war das Sars-CoV-2-Virus im Dezember zuerst entdeckt worden. Die Stadt war in China am stärksten vom Ausbruch des Erregers betroffen. Vom 23. Januar an wurde Wuhan für 76 Tage von der Außenwelt abgeriegelt. Von den landesweit 4634 amtlich gemeldeten Todesfällen durch die Lungenkrankheit Covid-19 gab es allein 3869 in der Provinzhauptstadt.

Aktuelles zum Coronavirus – zweimal täglich per Mail oder Push-Nachricht

Alle Meldungen zur aktuellen Lage in Deutschland und weltweit sowie die wichtigsten Nachrichten des Tages – zweimal täglich mit SZ Espresso. Unser Newsletter bringt Sie morgens und abends auf den neuesten Stand. Kostenlose Anmeldung: sz.de/espresso. In unserer Nachrichten-App (hier herunterladen) können Sie den Espresso oder Eilmeldungen auch als Push-Nachricht abonnieren.

Chile meldet mehr als 100 000 Infektionen

In Chile haben sich nach Angaben der US-amerikanischen Johns-Hopkins-Universität bereits mehr als 100 000 Menschen mit dem Coronavirus angesteckt. Mehr als 1100 Menschen sind dort den Angaben zufolge nach einer Infektion mit dem Virus ums Leben gekommen. Zuletzt war es in Chiles Bevölkerung immer wieder zu Protesten gekommen. Um die Ausbreitung des Virus zu stoppen, steht der Großraum Santiago seit Wochen unter Quarantäne.

Erst am Montag hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gewarnt, dass der Höhepunkt der Coronavirus-Pandemie in Süd- und Zentralamerika noch nicht erreicht sei. Zu den Ländern mit hohen Zahlen von Neuinfizierten zählt die WHO neben Chile vor allem Brasilien, Peru und auch Mexiko – die Gesundheitssysteme in diesen Staaten stünden unter Druck. In Chile hatte die Ärztekammer angesichts des Ansturms auf die Krankenhäuser bereits vor wenigen Tagen gewarnt, dass fast alle Intensivbetten belegt seien.

Erstmals seit März kein Corona-Toter in Spanien

Erstmals seit März ist in Spanien ein Tag vergangen, ohne dass ein neuer Corona-Toter gemeldet wurde. In den 24 Stunden von Sonntag bis Montag habe es außerdem nur 71 bestätigte Neuinfektionen gegeben, sagte der Chef der spanischen Behörde für Gesundheitliche Notfälle, Fernando Simón, bei einer Pressekonferenz. Die Zahlen seien “sehr, sehr ermutigend”.

Spanien hatte den ersten Todesfall der Corona-Pandemie am 3. März vermeldet, den nächsten zwei Tage später. In der Folge stieg die Zahl der Infizierten und Toten exponentiell an. Den Höhepunkt erreichte sie am 2. April mit 950 Toten innerhalb von 24 Stunden. Insgesamt sind nach offiziellen Zahlen in Spanien bislang 27 127 Menschen nach einer Infektion mit dem Virus Sars-CoV-2 verstorben, 240 000 Infektionen wurden bestätigt.

Russland lockert Corona-Maßnahmen trotz vieler Neuinfektionen

In Moskau haben an diesem Montag Einkaufzentren wieder geöffnet. Auch Dienstleistungbetriebe nahmen ihre Arbeit weder auf. 300 000 Menschen kehrten an ihre Arbeitsplätze zurück. Damit treten einige Lockerungen der seit mehr als zwei Monaten geltenden Ausgangssperren in Moskau in Kraft. Ein Ansturm auf die wieder eröffneten Geschäften blieb bis zum Montagnachmittag aus. In Einkaufszentren, Supermärkten und öffentlichen Einrichtungen gilt neben der Masken- auch eine Handschuhpflicht.

Auch Spazierengehen ist an einigen Tagen wieder erlaubt, morgens zwischen 5 und 9 Uhr dürfen die Einwohner von Moskau draußen Sport treiben. Dabei gilt allerdings eine Maskenpflicht. Ärzte kritisieren den Maskenzwang als “Irrsinn” und warnen davor mit einem Mund- und Nasenschutz Sport zu treiben, weil es die Atemwege gefährde. Es reiche Abstand zu halten.

Die Lockerungen treten in Kraft obwohl die Zahl der Neuinfektionen in Russland weiter steigt. Die Zahl der registrierten Corona-Infizierten überstieg am Tag der Lockerungen deutlich die Marke von 400 000. Die amtliche Statistik wies am Montag mehr als 9000 neue Fälle aus. Zum Vergleich: In Deutschland gab es etwa 333 registrierte Neuinfektionen. Nach offiziellen Angaben gab es 4855 Todesfälle. Trotzdem nannte Ministerpräsident Michail Mischustin die Lage stabil. “Die Zahlen geben Anlass zu vorsichtigem Optimismus.” Behörden hatten Lockerungen damit begründet, dass die Zahl der Genesenen höher liege als die Neuzugänge in den Krankenhäusern

Auch in 19 weiteren Regionen Russlands sind die Beschränkungen schrittweise aufgehoben worden. Dort öffneten zum Beispiel Friseure. In Moskau sind Salons und Gaststätten aber noch immer geschlossen.

Vor allem der Druck seitens der Wirtschaft ist groß in Russland, Produktion und Handel wieder zuzulassen. Das Riesenreich steckte schon vor der Pandemie in einer Wirtschaftskrise. Die Kritik an der Politik im Kampf gegen Corona nimmt seit Wochen zu – auch weil die Zahl der Infektionen mit zunehmender Schärfe der Einschränkungen gestiegen und nicht gesunken war. In sozialen Netzwerken beklagen Bürger ein Durcheinander an Regelungen und Chaos bei der Verhängung von Strafen wegen Verstößen gegen Vorschriften.

Präsident Wladimir Putin kündigte derweil an, die Russen am 1. Juli über eine Verfassungsreform abstimmen lassen zu wollen. Durch die Änderung könnte Putin theoretisch bis 2036 im Amt bleiben. Das Referendum könne an diesem Termin sicher abgehalten werden, da sich die Ausbreitung des Coronavirus in Russland verlangsamt habe, sagte Putin am Montag. Ursprünglich hätte das Referendum im April stattfinden sollen. Nach offiziellen Angaben soll es für die Wähler die Möglichkeit geben, auch in den sechs Tagen vor dem 1. Juli vorzeitig ihre Stimme abzugeben, damit sich am Wahltag selbst nicht zu große Menschenansammlungen bilden.

Nach der bisher gültigen Verfassung hätte Putin bei der Wahl 2024 nicht noch einmal antreten dürfen. Das Parlament beschloss jedoch, seine bisherigen Amtszeiten zu annullieren, so dass ihm noch zwei weitere möglich sind. Außerdem stärkt die Verfassungsänderung die Rolle des Präsidenten, verbietet gleichgeschlechtliche Ehen und bezeichnet “einen Glauben an Gott” als traditionellen russischen Wert. Außerdem wird der Vorrang russischen Rechts vor internationalen Normen betont. Dies gilt als Reaktion des Kreml auf Urteile des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofs und anderer internationaler Gerichte, die Russland mehrfach verurteilt haben.

USA und Brasilien setzen auf nicht wirksames Malaria-Medikament

Die USA haben Brasilien im Kampf gegen Covid-19 ein nicht als wirksam nachgewiesenes Malaria-Medikaments geschickt. Die mehr als zwei Millionen Dosen Hydroxychloroquin seien für die vorbeugende Einnahme für Mitarbeiter des Gesundheitssystems und für Erkrankte nach Brasilien geschickt worden, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung der brasilianischen Regierung und des Weißen Hauses vom Sonntag. Die US-Regierung schickte nach eigenen Angaben auch 1000 Beatmungsgeräte in das schwer vom Coronavirus getroffene südamerikanische Land.

Das Medikament Hydroxychloroquin wird entgegen Aussagen wissenschaftlicher Experten von US-Präsident Donald Trump als möglicherweise hilfreich im Kampf gegen Covid-19 beworben. Im Mai hatte Trump mitgeteilt, es selbst vorsorglich einzunehmen. Mediziner kritisierten dies und befürchteten, dies könne andere Menschen dazu anstiften, das Medikament ohne medizinische Überwachung einzunehmen. Es gibt keine große wissenschaftliche Untersuchung, die den Nutzen oder die Sicherheit von Hydroxychloroquin bei einer Covid-19-Erkrankung nachweist. Einige kleinere Studien legen negative Auswirkungen nahe. Die Zahl der Coronavirus-Fälle in Brasilien nimmt weiter stark zu. Vergangene Woche erklärte Trump, Einreisen aus dem Land in die USA würden ausgesetzt.

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*